Geschichte der Haslacher Lager

Nachdem man zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Urenwald bei Haslach ein umfangreiches Amphibolitvorkommen entdeckt hatte, begann man bald darauf mit dem Abbau dieses Gesteins, das wegen seiner Härte und Zähigkeit besonders für den Straßen- und Eisenbahnbau geeignet war.

Bereits 1911 wurde auch mit unterirdischem Abbau begonnen. Dadurch entstanden im Laufe der nächsten 30 Jahre riesige Stollen, die mehrere hundert Meter lang waren. Durch diese Stollen sollte Haslach von 1944 an in das Zwangsarbeitersystem der Nationalsozialisten verstrickt werden.

Im Jahr 1944 beschloss nämlich das Reichsrüstungsamt wegen der zunehmenden Bombardierung der deutschen Fabriken die Rüstungsproduktion so weit wie möglich „bombensicher“ untertage zu verlagern. Gleichzeitig war man wegen dem großen Arbeitskräftemangel aber auch aus ideologischen Gründen immer mehr bestrebt die Lagerhäftlinge im Produktionsprozess einzuspannen und auszubeuten.

Im Spätsommer 1944 ergab sich für die Nationalsozialisten zusätzlich das Problem, dass die bestehenden Lager im Elsass, Natzweiler-Struthof und Schirmeck-Vorbruck, wegen der näher rückenden Front geräumt werden mussten. Eine umfangreiche Verhaftungswelle im Elsass, in Lothringen und den angrenzenden Gebieten führte zudem zu einer großen Zahl von verfügbaren Zwangsarbeitern.

Dies waren die Bedingungen, die dazu führten, dass von September 1944 bis April 1945 1700 Häftlinge aus 21 Ländern in den drei Haslacher Lagern eingepfercht und zur Schwerstarbeit gezwungen wurden. In den Bergwerkstollen waren verschiedene Firmen wie Daimler-Benz, Mannesmann und Messerschmitt für die Produktion vorgesehen, die allerdings nicht mehr im geplanten Umfang in Gang kam.

Die Häftlinge hatten in allen Lagern unter menschenunwürdigen Verhältnissen zu leiden, sie wurden drangsaliert, waren den unter diesen Verhältnissen unvermeidlichen Lagerkrankheiten ausgesetzt und es kam auch zu Tötungen.
Mehr als 223 namentlich bekannte Häftlinge haben in Haslach ihr Leben lassen müssen. Weitere wurden heimlich in der Lagerumgebung verscharrt.

Hunderte von Häftlingen starben in anderen Lagern, in die sie von Haslach aus verschleppt wurden, auf den berüchtigten Todesmärschen oder sie überlebten den Krieg nur um kurze Zeit.