Aufarbeitung der Geschichte

Nach der Kapitulation Deutschlands oder besser ausgedrückt nach der Befreiung von der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft dauerte es 17 Monate bis die vor der Friedhofsmauer verscharrten Opfer der drei Haslacher Lager exhumiert wurden. 210 Särge wurden am 17. September 1946 neben der Haslacher Friedhofskapelle feierlich zu Grabe getragen. In den folgenden Jahren wurden 135 Tote in ihre Heimatländer überführt. 75 ehemalige Häftlinge konnten nicht identifiziert werden. Sie ruhen seit 1953 in einem Ehrengrab auf dem Haslacher Friedhof.


Das Ehrengrab der 75 nicht identifizierten Häftlinge auf dem Haslacher Friedhof















Von den Lagern ist heute nichts mehr zu sehen. Das Baracke des Lagers "Sportplatz" wurde in den 70er Jahren abgerissen. An der dort aufgebauten Markthalle wurde eine Tafel angebracht, die an die Opfer des Lagers erinnert. Die 1944 errichteten Baracken des Lagers "Kinzigdamm" bestanden nur kurze Zeit und wurden kurz nach Kriegsende bereits wieder abgerissen.
Die Stollen des Lagers "Vulkan" wurden von der französischen Militärverwaltung 1947 und 1948 gesprengt. Von 1953 bis 1965 diente das Vulkangelände als Munitions- und Sprengstoffdepot der französischen Armee. 1965 richtete die Stadt auf dem Gelände einen Müllplatz ein, der 1973 zu einer großen Mülldeponie des Ortenaukreises erweitert wurde. Im Zuge dieser Erweiterung wurden die Teile des Stollensystems, die nachweislich als Lager dienten oder zur Produktion der Rüstungsgüter vorgesehen waren, endgültig zugeschüttet.
Bis zu Beginn der 70er Jahre wurde die Erinnerung an die Haslacher Lager und die große Zahl der Opfer nur durch die Häftlinge selbst aufrecht erhalten. Sie trafen sich mehrmals in Haslach. Im Jahre 1970 enthüllten sie schließlich gemeinsam mit dem Haslacher Bürgermeister Josef Rau die oben erwähnte Tafel an der damals noch existierenden KZ-Baracke am Sportplatz.
Danach war es der Heimathistoriker Manfred Hildenbrand, der in mühseliger Archivarbeit die Geschichte der Haslacher Lager zu erforschen begann. Mehr als 25 Jahre gestaltete sich diese Arbeit sehr schwierig, da in Haslach - wie fast überall - die Bevölkerung sehr zurückhaltend kooperierte. Dennoch konnte er in zahlreichen Publikationen über die Ergebnisse seiner Forschungen berichten. Seine umfangreiche Arbeit bildete den Grundstein für die heute existierende Gedenkstätte.
Im Jahre 1995 stieß eine auswärtige Gruppe von Höhlenforschern auf die Lagergeschichte, als sie einen heute noch bestehenden Stollenteil untersuchte, bei dem es sich aber nicht um das Häftlingslager und die Produktionsstätten handelte. Ihre Absicht, diesen Stollenteil trotzdem wieder begehbar zu machen, scheiterte am nicht abschätzbaren finanziellen Risiko.

Dieser Stollenteil stand nicht in Verbindung mit den Häftlingsstollen. Dennoch scheinen die Gebäude und die im Boden eingelassene Aussparung in Zusammenhang mit der Vorbereitung auf bergwerksfremde Nutzung zu stehen. Hinweise auf die mögliche Zielsetzung der rechts abgebildeten Bodenwanne nehmen wir gerne entgegen.



















Es war nun das Verdienst dieser Gruppe von Höhlenforschern, dass sich in Folge dieser Diskussion aus den Reihen des Haslacher Stadtrats eine Initiativgruppe bildete, die sich zum Ziel setzte, eine Gedenkstätte auf dem Gelände des Vulkan zu errichten. Im Jahre 1997 begannen die konkreten Planungen und bereits am 25. Juli 1998 konnte die Gedenkstätte eingeweiht werden.

Die zügige Realisierung war nur möglich, weil der Haslacher Stadtrat und Bürgermeister Heinz Winkler ihre volle Unterstützung zusagten. Wertvolle Hilfe leistete vor allem auch die Landeszentrale für politische Bildung in Stuttgart. Aber auch Haslacher Bürger und Firmen begannen sich diesem Themenbereich zu öffnen und gewährten finanzielle Hilfe.

Nach der Einweihung der Gedenkstätte wurde die Zeitzeugenarbeit intensiviert. Unzählige Besuche bei ehemaligen Häftlingen in Ostfrankreich und Holland und auch deren Gegenbesuche in Haslach ergeben allmählich ein genaues Bild mit sehr vielen Details über die Verhältnisse in den Haslacher Lagern. Insbesondere die beiden Häftlingstreffen in den Jahren 1998 und 2000 in Haslach brachten einen großen Fortschritt in den Erkenntnissen. Sehr hilfreich sind auch die Arbeitstreffen der Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten und Gedenkstätteninitiativen Baden-Württemberg, die von der Landeszentrale für politische Bildung durchgeführt werden.

Große Verdienste haben sich vor allem auch Michelle und Jacques Bicheray aus Jallerange bei Besançon erworben. Bei der Suche nach überlebenden Häftlingen und der Erforschung der Lagergeschichte waren sie sehr erfolgreich. Sie haben im Selbstverlag eine umfangreiche Sammlung von Häftlingsberichten herausgegeben: "Les Camps de Haslach...   Les Déportés racontent".

Michelle Bicheray mit dem ehemaligen Häftling Dr. Jacobus Brasser aus Holland beim Häftlingstreffen am 20. Mai 2000 in Haslach

Michelle Bicheray ist die Tochter des in Haslach ums Leben gekommenen KZ-Häftlings Gilbert Choquin, der im Ehrengrab auf dem Haslacher Friedhof ruht.

Jacobus Brasser starb am 7. Juni 2012.
Michelle Bicheray verstarb am 6. Januar 2014.